Verband der führenden Agenturen Deutschlands zuversichtlich für 2005 / Unternehmen schauen auf den Preis
In der PR-Branche geht es wieder aufwärts. Die führenden Agenturen in Deutschland erwarten in diesem Jahr ein zweistelliges Umsatzwachstum. Allerdings kann das Ergebnis auf Grund des hohen Preisdrucks nicht mithalten. Auch die Anforderungen steigen.
von Petra Kirchhoff
Frankfurt a.M. · 1. Februar · Nach einer Umfrage unter den führenden PR-Agenturen sind die Honorarumsätze bereits im vergangen Jahr um zehn Prozent gestiegen, berichtet die Gesellschaft Public Relations Agenturen (GPRA). Für das laufende Jahr erwartet der Verband "noch bessere Aussichten". Public Relations - dazu zählt das Verfassen von Pressemitteilungen ebenso wie die Vermittlung von Kontakten - gewinne immer mehr an Bedeutung, meint GPRA-Präsidentin Elisabeth Kohl. Private wie öffentliche Unternehmen schichteten ihre Budgets entsprechend um, nicht selten zu Lasten der klassischen Werbung.
Gefragt sei Unternehmenskommunikation vor allem in den Sparten Gesundheit, Ernährung, Informationstechnik, Energie und Umwelt. Verhaltener zeigten sich dagegen die Branchen Bau, Tourismus, Luxusgüter und Automobil.
Mit der positiven Entwicklung einher geht allerdings ein steigender Preisdruck. "Immer öfter entscheidet der zentrale Einkauf darüber, zu welchen Konditionen, welche Agentur beauftragt wird", sagt Kohl. Der Verband sei daher dabei, ein neues Steuerungsinstrument mit eigenem Markenzeichen zu entwickeln. Damit solle Kunden aufgezeigt werden, welche Projekte zu welchem Geschäftserfolg führen. Ertrag und Mitteleinsatz sollen transparenter werden, betont der stellvertretende Verbandspräsident Andreas Severin. Nur so könnten Projekte effizienter umgesetzt werden.
Laut GPRA-Umfrage rechnen die Agenturen in diesem Jahr mit steigenden Personalkosten. Es würden nicht unbedingt mehr, aber qualifiziertere Berater gebraucht. Gefragt sei der Ansprechpartner mit guten Wirtschaftskenntnissen, gern auch älter mit Berufserfahrung.
Dass der Verband GPRA in Frankfurt seinen Sitz hat, kommt nicht von ungefähr. "Frankfurt ist nach wie vor das Herzstück der Branche", betont Präsidentin Kohl. Nahezu jede bedeutende Agentur unterhalte ein Büro in der Stadt. Dazu zählt sie etwa die Vertretungen von Publicis, Leipziger & Partner, Hill and Knowlton oder Weber Shandwick. Im PR-Ranking folgen Hamburg, Düsseldorf, Berlin, München und Stuttgart. Finanzen und Tourismus, das sind laut Kohl die Themen in Frankfurt. Für die Unternehmenskommunikation sei dagegen Düsseldorf "der beste Standort". München ist stark auf dem Gebiet der Informationstechnologie. In Berlin dreht sich wie in Brüssel, wohin es nach GPRA-Angaben inzwischen auch viele amerikanische Agenturen zieht, alles um die Politik.
Der Verband GPRA vertritt 27 Agenturen mit bundesweit 60 Büros und 1200 Beschäftigten. Der Umsatz belief sich im Jahr 2003 auf rund 160 Millionen Euro. Insgesamt arbeiten in der PR-Branche in Deutschland nach Schätzungen 30 000 bis 50 000 Personen. Parallel zum GPRA gibt es die Deutsche Public Relation Gesellschaft (DPRG) mit Sitz in Bonn, die rund 1800 Öffentlichkeitsarbeiter aus Unternehmen vertritt. Beide Verbände haben sich mit dem Deutschen Rat für Public Relations (DRPR) eine Art Ehrenkodex gegeben, der das Gebahren der Öffentlichkeitsarbeiter überwacht.